Bei komplexen Themen können wir nicht alles vorher wissen. Deshalb arbeite ich lieber mit kleinen Experimenten als mit großen Gewissheiten. Nicht um schneller recht zu haben – sondern um schneller herauszufinden, wo wir falschliegen.
Wenn Pläne an ihre Grenzen stoßen
Es gibt Situationen, in denen ein guter Plan unverzichtbar ist.
Und es gibt Situationen, in denen ein Plan vor allem eines erzeugt: die Illusion, dass wir die Zukunft bereits kennen.
Gerade bei Veränderung, Digitalisierung und neuen Technologien ist das häufig der Fall. Viele Menschen sind beteiligt, Rahmenbedingungen verändern sich und niemand kann zuverlässig vorhersagen, wie sich eine Lösung in der Praxis verhalten wird.
Dann hilft noch eine weitere Analyse nicht unbedingt weiter.
Manchmal müssen wir anfangen.
Eine Organisation hatte viel Zeit in die Planung einer größeren Prozessveränderung investiert. Der neue Ablauf war detailliert beschrieben, abgestimmt und praktisch fertig.
Bevor er überall eingeführt wurde, haben wir ihn in einem kleinen Bereich ausprobiert.
Dabei zeigte sich etwas, das in keinem Workshop aufgetaucht war: Ein scheinbar nebensächlicher Schritt funktionierte im Alltag schlicht nicht so, wie ihn das Konzept vorgesehen hatte.
Gut, dass wir es dort entdeckt hatten. Wir mussten den Plan ändern. Genau dafür war der Pilot da.
Lernen durch Experimente
Nicht blind und nicht planlos. Sondern mit einem überschaubaren Schritt, einer überprüfbaren Annahme und der Bereitschaft, aus dem Ergebnis Konsequenzen zu ziehen.
Ich mag deshalb Experimente: ein Prototyp, ein kleiner Pilot, ein Gespräch mit echten Nutzenden, ein Prozess, der zunächst nur in einem Team ausprobiert wird.
Nicht weil das Ergebnis schon perfekt wäre. Sondern weil die Realität Antworten liefert, die wir uns am Schreibtisch nur ausdenken können.
Ein Team muss nicht von Anfang an wissen, was funktioniert. Es muss lernen können, herauszufinden, was funktioniert.
So sieht das in der Praxis aus
- ✓Wir machen Annahmen sichtbar, statt sie als Fakten zu behandeln.
- ✓Große Vorhaben werden in überschaubare Experimente übersetzt.
- ✓Wir fragen nach jedem Schritt: Was haben wir tatsächlich gelernt?
- ✓Kurskorrekturen gelten nicht als Scheitern, sondern als Teil des Lernens.
Wenn die Angst vor einer falschen Entscheidung größer wird als die Bereitschaft, etwas auszuprobieren, verkleinere ich gerne den ersten Schritt.
Denn manchmal braucht es nicht mehr Sicherheit, um loszugehen. Sondern einen Schritt, der klein genug ist, dass man ihn trotz Unsicherheit gehen kann.
Lass uns darüber sprechen